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Erster Welt-Nierenkrebs-Tag: Breites Behandlungsspektrum für deutsche Urologen


Das Präventionspotenzial liegt im individuellen Lebensstil

Berlin, 21.06.2017. Nierenkrebs ist die dritthäufigste Tumorerkrankung, mit der Deutschlands Urologen in Praxen und Kliniken konfrontiert sind. Betroffene Patienten sind zumeist ältere Menschen und nach altersstandardisierten Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) doppelt so viele Männer wie Frauen. Rund 16.500 Neuerkrankungen an Nierenkrebs erwartete das RKI für 2016. Früh erkannt, lassen sich Nierentumoren heute gut behandeln und die Prognose für die meisten Patienten ist günstig, teilen die Deutsche Gesellschaft für Urologie e.V. (DGU) und der Berufsverband der Deutschen Urologen e.V. (BDU) anlässlich des Welt-Nierenkrebs-Tages mit, der am morgigen 22. Juni 2017 erstmals stattfindet. Sie betonen jedoch zugleich die Bedeutung der Prävention von Nierentumoren - und damit besonders Fragen des individuellen Lebensstils.

„Die Ursachen für die Entstehung von Nierenkrebs, zu 90 Prozent handelt es sich dabei um Nierenzellkarzinome, sind noch nicht geklärt. Aber es gibt Risikofaktoren wie etwa Rauchen, Übergewicht, Bluthochdruck und Mangel an körperlicher Aktivität, die laut S3-Leitlinie zum Nierenkrebs als begünstigend erkannt sind. Diese Faktoren sind beeinflussbar, und hier sollte Prävention ansetzen“, sagt BDU-Präsident Dr. Axel Schroeder. Nicht modifizierbare Risikofaktoren seien terminale Niereninsuffizienz und eine erbliche Vorbelastung, die jedoch selten vorkomme. „Umso mehr Bedeutung erhält eine gesunde Lebensführung bei der Prävention von Nierenkrebs.“

Im frühen und im lokal fortgeschrittenen Stadium machen Nierentumoren keine Symptome. Sie werden bei Ultraschalluntersuchungen des Bauchraumes oft eher beiläufig entdeckt, woran stetig verbesserte bildgebende Verfahren ihren Anteil haben. Treten bereits Beschwerden wie etwa Schmerzen im seitlichen Rückenbereich oder blutiger Urin auf, ist der Krebs häufig schon weit fortgeschritten und hat oft bereits Metastasen gestreut. Obwohl das statistische Durchschnittsalter bei der Erstdiagnose von Nierentumoren relativ hoch ist - bei Männern sind es 68, bei Frauen 72 Jahre - befindet sich das Karzinom bei seiner Entdeckung in 75 Prozent aller Fälle noch in einem frühen Stadium mit entsprechend günstiger Prognose für den Krankheitsverlauf.

Sowohl Nierentumoren im frühen und lokal fortgeschrittenen Stadium als auch Nierenkrebs im metastasierte Stadium werden nach der ärztlichen S3-Leitlinie zur Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Nierenzellkarzinoms behandelt, die 2015 federführend von der DGU und von der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie (DGHO) erstellt und gerade aktualisiert worden ist. Das Spektrum der Behandlungsmöglichkeiten ist breit und spannt sich von aktiver Überwachung über verschiedene Operationsverfahren bis zu komplexen systemischen Therapien. „Im frühen oder lokal fortgeschrittenen Stadium sind Operationen, minimal-invasiv und nach Möglichkeit organerhaltend, immer noch alternativlos. Regelmäßige, risikoadaptierte Nachsorgeschemata gemäß der S3-Leitlinie, gilt es bei der Nachsorge operierter Patienten zu berücksichtigen, um Rezidive ggf. früh zu erkennen. Ablative Therapien wie etwa die Radiofrequenzablation, bei der durch Hitzeentwicklung eines hochfrequenten Stroms gezielt Gewebe zerstört wird, müssen sich weiter beweisen“, so DGU-Pressesprecher Prof. Dr. Christian Wülfing. Der urologische Chefarzt weiter: „Für die metastasierten Tumoren sind inzwischen zehn Medikamente zugelassen. Durch gezielte Krebstherapie, sogenannte ‚̣targeted therapy’, und kluge Kombination neuer Präparate werden die Überlebenszeiten der Patienten länger.“

Ausführliche Informationen über Risikofaktoren, Symptome, Diagnostik und die Behandlung von Nierenkrebs bieten die beiden Patientenleitlinien „Nierenkrebs im frühen und im lokal fortgeschrittenen Stadium“ und „Nierenkrebs im metastasierten Stadium“, die im Leitlinienprogramm Onokologie von der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften, der Deutschen Krebsgesellschaft und der Stiftung Deutsche Krebshilfe unter Federführung der DGU und der DGHO herausgegeben wurden.

Text: DGU/BDU-Pressestelle/(ing)
Quelle: Urologenportal

Das 1x1 der männlichen Fruchtbarkeit


Wenn es mit dem Kinderwunsch nicht klappt, ist die Ursache der Unfruchtbarkeit eines Paares immer häufiger beim Mann zu finden: Eine geringe Anzahl von Spermien und die wenigen auch noch öfter von unterdurchschnittlicher Beweglichkeit und Qualität werden zunehmend für männliche Infertilität verantwortlich gemacht. Eine einzige Ursache für diese Entwicklung gibt es nicht, jedoch ein ganzes Ursachen-Allerlei. Seit einigen Jahren wird mit Studien versucht, Ursachen und Auslöser zu erkennen. So fanden dänische Forscher jetzt heraus, dass Übergewicht zu einer Veränderung des Erbgutes führt.

In ihrer Studie wiesen sie veränderte genetische Codes in Spermien von Übergewichtigen (BMI über 30) nach, die den Appetit steuern. Aber hatte das Übergewicht die DNA verändert, oder eine veränderte DNA das Übergewicht ausgelöst? Dies wurde an sechs adipösen Männern geklärt, die eine extreme Gewichtsreduktion durch einen Magenbypass erreichten. Vor und nach der OP wurde die DNA ihrer Spermien untersucht - und mehr als 5000 epigenetische Veränderungen festgestellt. Fazit: Übergewicht verändert das Erbgut. Derzeit werden in Kooperation mit einer Fertilitätsklinik auch die Embryonen von Vätern unterschiedlichen Körpergewichts epigenetisch untersucht.

Bereits frühere Studien hatten negative Einflüsse von Übergewicht auf die männliche Fertilität aufgezeigt: 2012 hatten Forscher in den Niederlanden festgestellt, dass Männer mit einem Hüftumfang von mehr als 102 Zentimetern eine deutliche schlechtere Spermienkonzentration und geringere Gesamtzahl beweglicher Spermien hatten. Abnehmen schafft Abhilfe.

Österreichische Studienautoren schrieben 2012, die Kombination von Alter, Gewicht, sexueller Aktivität und der Menge des Kaffeekonsums hätte wesentlichen Einfluss auf Motilität und Morphologie der Spermien. Entsprechend könne der Mann bis zu einem gewissen Grad selbst die Qualität seiner Samen steuern.

US-Forscher erkannten nach einer 2014 veröffentlichten Studie, dass Stress ebenfalls negativ auf Quantität und Qualität von Spermien wirkt - allerdings kaum berufliche, sondern überwiegend private Belastungen. Männer, die während der Studie arbeitslos waren, hatten eine besonders schlechte Spermienqualität.

Zwischen schlechtem Schlaf und Spermienqualität wurde 2012 in Dänemark ein Zusammenhang nachgewiesen. Bei Männern mit Schlafstörungen wurde im Ejakulat ein Rückgang der Spermienkonzentration von gut 30 Prozent gegenüber Normalschläfern festgestellt. Eine verminderte Spermienqualität verbesserte sich bei regelmäßigem Schlaf von sieben Stunden erheblich.

In Argentinien wurde darüber geforscht, wie sich WLAN-Strahlung - also das Handy in der Hosentasche oder das Notebook auf dem Schoß - auf die männliche Fertilität auswirkt. Spermienproben gesunder 25-Jähriger wurden der Strahlung ausgesetzt. 25 Prozent der Spermien waren danach bewegungslos, neun Prozent wiesen Schäden am Erbgut auf. Unbestrahlt waren es nur je 14 und drei Prozent. In der Ukraine wurden 100 Studien zu den Gefahren der Mobilfunkstrahlung analysiert: 93 kamen zu dem Ergebnis, dass WLAN- und Handystrahlung Zellschäden verursachen können.

Pkw-Sitzheizungen eilt der Ruf voraus, negative Effekte auf die Spermienqualität zu haben. Befragungen und Spermiogrammen ergaben in Österreich, dass 62 Prozent der häufigen Sitzheizungsnutzer einen unauffälligen Spermienzustand haben, bei seltenen Nutzern waren es 53 Prozent und bei Nichtnutzern nur 46 Prozent. Für den Umkehrschluss positiver Sitzheizungseffekte bedarf es jedoch weiterer Forschung.

Nachgewiesen ist der negative Einfluss von Drogen, Anabolika, übermäßigem Alkoholkonsum und der des Rauchens auf die Spermienqualität: Nikotinkonsum etwa reduziert das Befruchtungspotenzial der Spermien um die Hälfte. Ein gesunder Lebensstil mit Normalgewicht, ausgewogener Ernährung und regelmäßigem, aber nicht übertriebenem Sport, der die Hormonproduktion ankurbelt, dagegen hält die Spermien fit.

Text: DGU/BDU-Pressestelle/(ing)
Quelle: Urologenportal

Prostatakarzinom: Sport verbessert Überlebenschancen


Sport kann nach der Diagnose von Prostatakrebs das Risiko halbieren, daran auch zu sterben. Andere körperliche Aktivitäten scheinen hingegen weniger zu nützen, wie das Team um Dr. Christine Friedenreich vom Krebsforschungszentrum in Calgary/Kanada in einer Kohortenstudie festgestellt hat. In die Studie waren 830 Männern einbezogen, bei denen zwischen 1997 und 2000 ein Prostatakarzinom (PCa) im Stadium II bis IV diagnostiziert worden war. Ihr Durchschnittsalter lag zu der Zeit bei 68 Jahren. 2014 wurden davon 372 Männer nachuntersucht, 458 waren inzwischen gestorben, 170 davon am PCa. Alle waren zum Studienbeginn zu ihren körperlichen Aktivitäten befragt worden, die Überlebenden in Follow-ups über die Zeit bis zu drei Mal. Dieser Aktivität entsprechend waren sie in vier gleich große Gruppen eingeteilt worden.

Die Aktivsten brachten es auf mehr als 119 metabolische Einheiten (MET) pro Woche, das Quartil mit der wenigsten körperlichen Bewegung auf weniger als 42 MET pro Woche. Zur Orientierung: Joggen schlägt mit 12 MET pro Stunde zu Buche, gemütliches Radfahren mit 6 und Haushaltsarbeit mit 2 bis3 MET pro Stunde.

Die Forscher stellten fest, dass aus der Gruppe mit der geringsten Körperaktivität bis zum Ende der Studie bereits drei Viertel (158) nicht mehr lebten, während es im aktivsten Quartil mit nur rund ein Drittel (75) im Vergleich weniger als die Hälfte war. Wurden Alter, Tumorstadium und Zeit bis zur ersten Progression berücksichtigt, so war die Gesamtsterberate in der aktivsten Gruppe um 42 Prozent geringer als bei den körperlich Inaktivsten.

In Bezug auf die tumorspezifische Sterblichkeit konstatierten die Forscher für die Gruppe mit der größten Gesamtaktivität eine um 35 Prozent reduzierte Rate, in der Gruppe mit der höchsten beruflich bedingten Bewegung um 34 Prozent. Hier war das Ergebnis für die sportlichste Gruppe am deutlichsten: In ihr war das Risiko an PCa zu sterben rechnerisch um 56 Prozent verringert. Ob dies auch gilt, wenn erst nach der Krebsdiagnose mit dem Sport begonnen wird, konnte die Studie nicht beantworten.

Schon in früheren Studien waren bei sportlich aktiven Männern nach der Krebsdiagnose geringere Progressionsraten und tumorspezifische Sterberaten festgestellt worden - je nach Studie um ein bis zwei Drittel reduziert. Sport zu treiben lohnt sich in jedem Fall.

Text: DGU/BDU-Pressestelle/(ing)
Quelle: Urologenportal

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